„Frauen haben mehr Händchen fürs Feine“

Felia Josephine Dinas, Pauli Dammann, Jassin Hadfi und Singi Beqo schließen Ausbildung mit Bestnoten ab

Das sind die neuen Gesellen im Maler- und Lackierer-Handwerk der Kreise Pinneberg und Steinburg.

Besonders stolz war Martin Ossenbrüggen (von links), Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung Westholstein für die Kreise Pinneberg und Steinburg, auf Jassin Hadfi, Paulina Dammann, Felia Josephine Dinus und Sindi Beqo.

 

Das Ergebnis der Gesellenprüfung der Maler- und Lackierer-Innung Westholstein für die Kreise Pinneberg und Steinburg überraschte Obermeister Martin Ossenbrüggen und Maren Tonke Julius von der Beruflichen Schule Elmshorn wenig. Und das galt in mehrfacher Hinsicht.
Mit Felia Josephine Dinas von der Malereigesellschaft Antosch aus Pinneberg und Paulina Dammann von Marco Brost in Itzehoe schafften zwei Damen den besten Abschluss. „Frauen haben mehr Händchen fürs Feine. Jungs gibt man 100 Quadratmeter zum Streichen und sie sind glücklich, die Damen achten mehr auf die Details“, erläuterte Ossenbrüggen. Er weiß aus Erfahrung: „Die Theorie fällt den Frauen oft leichter, weil sie besser schreiben können.“ Für Julius, bei ihrem Abschluss selbst Beste des Jahrgangs, ist klar: „Der Grund für die guten Noten ist vermutlich auch, dass man sich als Frau mehr behaupten muss.“ 
Für Ossenbrüggen dürften es gern mehr Frauen sein, die den Weg ins Handwerk wählen: „Frauen sind noch in der Minderheit, behaupten sich aber anders.“ Julius weiß: „Viele Unternehmen passen mittlerweile die Arbeitszeitmodelle an, um flexibler zu sein.“ Aus Sicht von Ossenbrüggen ein Muss: „Wir müssen alle mitnehmen, denn wir brauchen alle Fachkräfte im Handwerk. Da muss man sich als Chef etwas einfallen lassen.“
Doch auch die Herren konnten glänzen. Sindi Beqo vom Malerbetrieb Alexander Grill in Pinneberg schloss mit der besten praktischen Prüfung ab. Den insgesamt drittbesten Abschluss erreichte Jassin Hadi, der bei Raphael Sturm in Rellingen ausgebildet wurde. Das Besondere: Er hatte auf 1,5 Jahre verkürzt und dennoch den drittbesten Abschluss erreicht.
Doch gab es auch Schattenseiten. Von 28 Auszubildenden, die vor drei Jahren gestartet sind, haben nur elf ihren Abschluss erreicht. In der aktuellen Prüfungsphase bestanden elf von zwölf Auszubildenden. „Manche sagen, die Prüfung ist zu leicht, aber ich glaube, es wurde zuvor schon viel aussortiert“, mutmaßt Julius. Die Steinburger waren mit zwölf Auszubildenden gestartet, nach einem Jahr waren es nur noch sechs. „Die haben sich aber alle durchgebissen und ihren Abschluss bestanden“, sagte Julius. „Die hohe Abbrecherquote ist ein Problem“, stellte Ossenbrüggen angesichts von 61 Prozent Abbrechern fest.
Dabei sei der Beruf „farbenfroh und abwechslungsreich“. Und entwickle sich immer weiter. „Fort- und Weiterbildungen sind in unserem Beruf unerlässlich. Die Weiterentwicklung von Materialien, der Einsatz von Maschinen und Robotertechnik halten Einzug ins Malerhandwerk und bieten spannende Möglichkeiten für eure Zukunft“, sagte Ossenbrüggen. Klar sei: Es brauche dann auch diejenigen, die Roboter und Maschinen bedienen: „Eure Qualitäten sind gefragt, denn Qualität, Kreativität und Flexibilität sind die Schlüssel, um Gebäude und Innenräume individuell und nachhaltig zu gestalten“, betonte Ossenbrüggen und gab den Junggesellen mit auf den Weg: „Eure Arbeit verschönert nicht nur Räume, sondern schafft auch Atmosphäre und Lebensqualität.“ 
Für Paulina Dammann und Felia Josephine Dinus steht übrigens fest, dass sie im Maler-Handwerk bleiben wollen. Beide haben schon ihre Verträge in der der Tasche. Doch wie haben sie eigentlich den Weg ins Maler-Handwerk gefunden? „Ich habe ganz klassisch ein Praktikum gemacht und es hat mir so gut gefallen, dass ich mich beworben habe und genommen wurde“, erläutert Dinus. Dammann war hingegen familiär vorgeprägt: „Mein Vater ist Maler, angestellt, und das hat mich immer fasziniert. Ich bin also quasi durch die Familie zum Job gekommen.“ Ossenbrüggen betonte: „Praktika und Probearbeiten sind ein perfekter Weg, das Handwerk kennenzulernen. Und vielleicht senkt es ja auch die Abbrecherquote, wenn die jungen Menschen sich vorher anschauen, was sie beruflich erwartet.“  Dammann und Dinus sind sich einig: „Das hat auch seine Vorteile, vor allem mit Männern zu arbeiten.“ Ossenbrüggen weiß: „Eine Frau im Team ändert oft den Umgang und das Verhalten untereinander. Und für die Ordnung – auch der männlichen Kollegen – ist es oft nicht schlecht.“