In der Regel führen Gesellen die ihnen übertragenen Arbeiten entsprechend ihrer Berufserfahrung ohne ständige theoretische Reflexion nahezu schematisch aus. Sie können zwar einem Anfänger arbeitstechnologische Abläufe vorführen, ihre Entscheidungen und Handgriffe aber meist nicht korrekt und fachlich begründet erklären. Nicht selten erschwert überdies emotionale Unkontrolliertheit oder falsch verstandene Kumpanei x- beliebiger Gesellen einen ordnungsgemäßen Ausbildungsverlauf.
Der Meister als formal einzig Ausbildungsberechtigter ist aber ab einer bestimmten Betriebsgröße meist anderweitig beschäftigt und kann die Lehrlingsunterweisung auf den Baustellen nicht selbst übernehmen, auch wenn er das wollte. Er delegiert seine Ausbildungsaufgaben deswegen stillschweigend an seine Gesellen, nicht selten in der Hoffnung, dass ein Auszubildender die wichtigsten fachspezifischen Fertigkeiten schon dadurch beiläufig erlernen wird, dass er lange genug auf den Baustellen des Betriebes mitarbeitet. Den verbleibenden Rest können dann die erufsschulen und überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen übernehmen.
Sollte der Auszubildende den erwünschten Leistungsstandart nicht erreichen oder gar die Gesellenprüfung nicht bestehen, dürften Gründe für ein Versagen allerdings vor allem in den geringen schulischen Vorkenntnissen und in der mangelhaften Lern- und Eingliederungsbereitschaft des Jugendlichen gesucht werden, weniger in den unzulänglichen Ausbildungsbemühungen des Betriebes. Dabei müsste die Leitlinie der Berufsausbildung unter den derzeitigen Bedingungen konsequenter Weise lauten: Je niedriger die Eingangsqualifikation und die soziale Anpassungsfähigkeit der für eine Malerlehre noch zu gewinnenden Jugendlichen sind, desto intensiver müssen diese auch im Betrieb betreut und ausgebildet werden.
Die Sicherstellung des beruflichen Nachwuchses, die Verbesserung seiner Arbeitspraktischen Kompetenz sowie die Erhöhung der Motivation betrieblicher Ausbilder waren daher die Lernziele eines Modellversuches, den der Verband Farbe Gestaltung Bautenschutz Hessen in der Zeit von 1988- 1994 mit finanzieller Förderung durch Bundes- und Landesbehörden unter wissenschaftlicher Begleitung durchgeführt hat. Besonderes Merkmal der Maßnahmen war unter anderem dass gewerbliche Mitarbeiter arbeitspädagogisch geschult wurden, um als Ausbildungsgesellen anstelle des Meisters die Schulung des beruflichen Nachwuchses auf den Baustellen übernehmen zu können.
Dieser Modellversuch des Verbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz Hessen wurde von seinen Mitgliedsbetrieben finanziell und ideell engagiert unterstützt. Erfolge zeigten sich außer in der positiven Entwicklung des Ausbildungsgeschehens in vielen Einzelbetrieben vor allem in einem landesweit deutlichen Anstieg der Zahl neuer Lehrlinge, in einer extrem niedrigen Rate vorzeitig gelöster Ausbildungsverträge und in enorm verbesserten Erfolgsquoten bei den Gesellenprüfungen, vor allem in Großstädten. Die gute Entwicklung und das positive Echo in der Öffentlichkeit führten beim Verband Farbe Gestaltung Bautenschutz Hessen zur dauerhaften Beschäftigung eines ausschließlich für Fragen der Nachwuchsqualifikation zuständigen 'Ausbildungstrainers' und zur Gründung einer Aktionsgemeinschaft 'Ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb'.
Der Ausbildungstrainer führt mit Unterstützung eines wissenschaftlichen Beraters regionale Lehrgänge zur arbeitspädagogischen Qualifizierung von Ausbildungsgesellen durch und bietet vielfältige fachliche Fortbildungsmaßnahmen an. Auf Wunsch berät er Einzelbetriebe in Aus- und Weiterbildungsfragen, führt individuelle >>Karriereplanungen<< für Meister und Gesellen durch und organisiert die Selbstdarstellung des Ausbildungssektors der Maler und Lackierer auf Messen und Ausstellungen.