Eine Lehrlingsbaustelle in historischer Umgebung und mit großer Verantwortung. So kann man, ohne zu übertreiben, die Arbeits- und Trainingswoche auf Gut Ludwigsburg benennen.
Ludwigsburg ist eine der großartigsten barocken Schöpfungen des Herzogtums. Auf der Grundlage einer mittelalterlichen Wasserburg erhebt sich mitten im doppeltem Haus-graben das stattliche dreigeschossige Herrenhaus, eher ein Schloss zu nennen, von gewaltigem Walmdach überspannt mitten in einem Park
Das barocke Herrenhaus mit seiner berühmten „Bunten Kammer“ und dem „Goldenen Saal“ bietet ein stillvolles Ambiente für Veranstaltungen, Konzerte und Familienfeiern. In dieser historischen Umgebung bot sich für die Aktionsgemeinschaft die einmalige Gelegenheit eine Lehrlingsbaustelle der besonderen Art einzurichten.
Im Festsaal, dem sog. „Goldenen Saal“, wurde vor langer Zeit eine Renovierung der Holzvertäfelung durchgeführt. Aus nicht bekannten Gründen (Geldmangel?) wurden dabei die Profile der Vertäfelung im Bereich der gesamten Fensterwand nur mit Farbe (Goldbronze) abgesetzt, obwohl historisch belegt ist, dass die Profile mit Blattgold belegt waren. Aus Sicht der Denkmalpflege ein ungeheurer Stilbruch.
Die Kontakte zwischen unserem Ausbildungstrainer, OM Jochen Meier, und dem Hausherrn auf Gut Ludwigsburg, Herrn Carl, eröffneten der Aktionsgemeinschaft die Chance, hier eine Lehrlingsbaustelle mit hohen Lernzielen zu installieren.
Es wurde vereinbart, die neuen, nach alten Vorlagen eingebauten Fenster von innen zu lackieren, die alte Vertäfelung im Bereich der Fensterwand partiell zu restaurieren und die gesamten Profile mit Blattgold zu belegen. Darüber hinaus wurde noch ab-gesprochen, dass das alte und schwere eichene Eingangsportal neu renoviert werden sollte.
So weit, so gut - doch nun begannen die Probleme. Als das Amt für Denkmalpflege davon unterrichtet wurde, war man zunächst einmal begeistert; doch als bekannt wurde, dass Lehrlinge diese Arbeiten ausführen werden, war die Begeisterung auf dem Null-punkt. Die feste Überzeugung der Denkmalschützer war, dass eine so sensible Arbeit von keinem Lehrling ausgeführt werden kann.
Erst nach dem es gelungen war, dem Amt für Denkmalpflege die Aktionsgemeinschaft und die damit verbundene Ausbildungsphilosophie zu vermitteln und eine Arbeitsprobe angefertigt wurde, waren alle Bedenken ausgeräumt und es konnte mit der Ausführung begonnen werden.
Wie bei jeder Lehrlingsbaustelle steht die Theorie am Anfang aller Arbeiten. Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Kirchenmalerei erklärte MLM Hinnerk Holtorf, die vielen Materialien und Werkzeuge sowie die unterschiedlichen Techniken bei der Verarbeitung von Blattgold. OM Jochen Meier sprach mit den Lehrlingen die Vorgehensweise und die Arbeitsabläufe ab und kontrollierte die korrekte Umsetzung.
Die Farbtöne für Fenster und Fensterleibung mussten genau nachgemischt sowie die Profilleisten geschliffen und grundiert werden. Eine Herausforderung war, dass die Profilleisten besonders exakt beschnitten werden mussten. Spätestens beim Aufbringen des Anlegeöls hätte sich ein mangelhaftes beschneiden bei der Vergoldung nachteilig ausgewirkt.
Alle Arbeiten wurden von den Lehrlingen mit großer Begeisterung umgesetzt - sie waren motiviert und hatten große Freude am Geleisteten. Auch das Denkmalsamt, vertreten durch Herrn Dr. Köster, der die Arbeit stellvertretend abnahm, bescheinigte eine saubere und korrekte Handwerksarbeit.
Die Lehrlinge waren in einer wunderbaren Ferienwohnanlage untergebracht; sie wurden von morgens bis abends - im eigenen Bistro der Hofanlage - bewirtet.
Zu einer wunderbaren Begegnung kam es dann am Freitag, dem letzten Arbeitstag. Frau Wiedemann, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein, die in Begleitung von Herrn Leopold und Frau Schlahn kam, hatte ihren Besuch angemeldet. Ein Besuch, der nun schon über viele Jahre einfach zu einer Lehrlingsbaustelle dazu gehört.
Zugegeben: Frau Wiedemann kommt nicht mit leeren Händen, sondern mit einem Geschenk, das wir gerne annehmen. Es ist aber auch eine Tatsache, dass durch diese immer wiederkehrenden Besuche, die Ausbildung in der Aktionsgemeinschaft einen Stellenwert bekommen hat, der durch diese Begegnungen erst möglich geworden ist.
KAH